Hilfstransport nach Mukacevo

Vinzenz Reif und Gunter Trost wieder mit Feuerwehr und THW in der Ukraine

Der Hilfstransport mit zehn Personen und drei Transportern brachte diesmal wieder ca. 3 Tonnen Hilfsgüter nach Mukacevo in das dortige Krankenhaus. Vinzenz Reif war schon so oft in der Ukraine, dass man gar nicht genau weiß, wie oft, aber es wird wohl der 25. Transport nach Mukacevo gewesen sein.

Als Dolmetscherin war Ivanka Lambruch mit dabei, die in Bamberg zur Ausbildung lebt und deren Vater Michail selbst Mitglied der Feuerwehr in Mukacevo ist. Um 17 Uhr in Landshut beim THW gestartet, erreichte der Konvoi über Wien und Budapest am nächsten Morgen die ungarisch-ukrainische Grenze bei Chop. Hier war erst einmal viel Geduld angesagt, die ukrainischen Zöllner nahmen es diesmal ganz genau. Vierzehn Stunden dauerte diesmal die Abfertigung am Grenzübergang, alle Kartons mussten geöffnet werden und wurden auf ihren Inhalt überprüft. Mittlerweile dürfen keine Medikamente mehr in die Ukraine eingeführt werden. Aber mit Hilfe von Chefarzt Iwan Mislo, der schon zur Grenze angereist war, um die Freunde und den Transport zu begrüßen, wurde auch dieses bürokratische Hindernis bewältigt.

Ukrainische Strassen sind anders. Die Hauptstrassen sind jetzt teilweise schon in gutem Zustand, aber die Nebenstraßen – und das sind die meisten - sind noch immer schlecht und voller Überraschungen. Es ist Vorsicht geboten. Viele Löcher, manchmal auch sehr tief. Aber schließlich waren auch die letzten Kilometer gemeistert. Organisator Gunter Trost hatte dafür gesorgt, dass sich die Transportmannschaft wieder in einem kleinen Hotel einmieten konnte. Trotz der fortgeschrittenen Stunde wurde dann noch kräftig über die Grenzabfertigung diskutiert, bis auch die letzten ihr Nachtlager aufsuchten.

Die Chefärzte Miroslaw Lupjak und Iwan Mislo erwarteten am nächsten Tag den Hilfstransport aus Landshut bereits sehnsüchtig. Nach einem kurzen Rundgang über das Klinikgelände wurde entladen. Ein Ultraschallgerät, ein EKG, einige Blutzuckermessgeräte, medizinische Geräte, Gehhilfen, und Rollstühle hatte Vinzenz Reif organisieren können. Ganz besonders erfreut war Dr. Lupjak über die fünf Wärmebetten, die mit dem Transport in die Ukraine kamen. Dr. Iwan Mislo packte selbst mit an und war gerührt ob der vielen wichtigen Dinge zur Grundversorgung in seinem Krankenhaus. Am Nachmittag wurde auch noch das Feuerwehrgerätehaus angefahren und die mitgebrachten Ausrüstungsgegenstände für die Feuerwehrkameraden entladen. Anschließend ließ ein Rundgang durch die Innenstadt von Mukacevo erkennen, dass der Fortschritt, vielfach getragen von privaten Initiativen, langsam vorankommt.

Es folgte ein interessanter Besuch beim deutsch-ukrainischen Verein in Mukacevo, bei dem die Kindertanzgruppe deutsche Volkstänze darbot. Der Kinderchor sang auch einige deutsche Volkslieder. Die Nachkommen der Deutschen, die in diesem Gebiet im 17. und 18, Jahrhundert, meist aus Unterfranken, angesiedelt wurden, haben sich einen großen Teil ihrer Kultur bewahrt. Der Chor wird im Herbst in Deutschland gastieren und dabei auch Landshut besuchen. Nach einem gemeinsamen Abendessen wurde der Tag in kameradschaftlicher Runde bald beendet.
Der nächste Tag begann mit dem obligatorischen Besuch der Gedenkstätte des Landshuter Feuerwehrarztes Hans Moratschek, der im Mai 1993 bei einem ebensolchen Hilfstransport hier in Mukacevo tödlich verunglückte. Mit einem frischen Buchskränzchen aus Landshut wurde die Erinnerungstafel geschmückt und dem Verunglückten gedacht.

Ein Besuch in der benachbarten Stadt Uzhgorod, machte deutlich, dass diese ukrainische Provinz „Zakarpatska“ mit ihrer Lage südlich der Karpaten starke ungarische und slowakische Einflüsse erkennen lässt. Der Stadtrundgang und der Besuch der Burg verschafften den Teilnehmern des Transportes einen weiteren Einblick über die Kultur dieses Landstriches.

Michail Lambruch und der neue Kommandant der Feuerwehr Andrij Sikora luden mit weiteren Kameraden der Feuerwehr zu einem Grillabend auf ein Wochenendgrundstück vor die Tore der Stadt. Kommandant Andrij Sikora ist kein Unbekannter, seit 1994 ist er schon in anderen Funktionen bei der Feuerwehr in Mukacevo und hat die Landshuter schon mehrfach getroffen. Diesmal konnte er sie als Kommandant begrüßen, und es bleibt zu hoffen, dass mit ihm wieder eine gewisse Kontinuität in dieser Position eintritt. Nach einigen Kilometern Fahrt traf man sich in einem abgelegenen Tal zwischen Ausläufern der rauen Karpaten. Auch die Ärzte mit Ihren Frauen kamen wieder mit dazu. Bei verschiedenen köstlichen Speisen vom Lagerfeuer und aus dem Kessel wurden die persönlichen Kontakte im Gespräch vertieft und auch in Erinnerungen gekramt. Natürlich wurden auch rundum wieder einige der bekannten Toasts ausgebracht. Der kalte Wind machte jedoch leider dem freundschaftlichen Abend bald ein Ende.

Am Sonntagmorgen fanden sich alle wieder zur Verabschiedung am Feuerwehrhaus in Mukacevo ein. Nach einem gemeinsamen Foto und der schon sehr persönlichen Verabschiedung von den Gastgebern  startete der Hilfstransport wieder zur Heimfahrt. Die Grenzabfertigung dauerte diesmal nur eine Stunde, obwohl die Fahrzeuge leer waren, aber die ungarischen Zöllner nahmen es diesmal etwas genauer, da sich die Einfuhrvorschriften für Zigaretten geändert haben. Auf der neuen Autobahn ging’s bei gutem Wetter wieder nach Westen durch die Puszta, Budapest wurde am frühen Sonntagnachmittag durchquert. Im Wochenend-Heimkehrerverkehr ging’s durch Wien, ab Passau wurde es dann langsam dunkel und gegen 23 Uhr standen die Fahrzeuge wieder in ihren heimischen Garagen. 

Bericht: Rudi Skalitzky
Bilder: THW / FW