Antwort auf offenen Brief von Herrn Stadtrat L. Reichwein
„Zum Wohle der Betroffenen eingemischt“

Eine Antwort aus der Sicht einer Hilfsorganisation auf den offenen Brief von Herrn Stadtrat Lothar Reichwein an Herrn Oberbürgermeister Hans Rampf.
Nicht wie Herr Reichwein schreibt, wurde der Katastrophenalarm für das Stadtgebiet Landshut wegen der Situation in Mitterwöhr auf seine Intervention hin ausgelöst, sondern wegen der Situation im westlichen Landkreis L.andshut. Hier gab es eine kritische Situation an einem Deich. Bei einem Bruch dieses Deiches wären auch Gebiete im Westen der Stadt Landshut direkt von einer Überflutung betroffen gewesen.

Seine Unkenntnis in die Aufgaben der Hilfsorganisationen aber auch über die Arbeit der Ils zeigt Herr Reichwein nicht nur am Nichterkennen von Feuerwehrleuten an deren Einsatzkleidung sondern auch mit der Behauptung die ILS hätte den Einsatz falsch geleitet.Dies ist definitiv nicht die Aufgabe der Integrierten Leitstelle. Ihre Aufgabe ist die Annahme von Notrufen und die bedarfsorientierte Alarmierung der Einsatzkräfte. Am besagten Montag wurden bereits alle Hochwasserbedingten Einsätze von der ILS aufgenommen und an die KEZ (Kreis-Einsatzzentrale Landshut) weitervermittelt und von dort im ganzen Stadtgebiet koordiniert.

Das Nachfragen bei den eingesetzten Helfern vor Ort nach Maßnahme-Entscheidungen und die darauf folgenden Meinungsäußerungen von Herrn Lothar Reichwein führten zu einer Behinderung dieser Helfer. Nach Auskunft dieser Ehrenamtlichen gab es auch Zeitpunkte, wo die dort Tätigen auf Grund dieses Aktionismus am liebsten die Einsatzstelle verlassen wollten. Zum Wohle der Betroffenen haben sie es nicht getan sondern standen rund um die Uhr als Ansprechpartner zur Verfügung. Von diesem Meldepunkt aus wären im Bedarfsfall Transporte aus dem überschwemmten Gebiet in Verbindung mit der Wasserwacht aber auch der Transfer zur, von der Stadt bereitgestellten, Notunterkunft sichergestellt worden. Dieses Angebot wurde von keinem der Betroffenen genutzt.

Wenn Herr Reichwein meint er hätte, wenn er persönlich vor Ort gewesen wäre, den Abzug der Stromaggregate verhindern können, irrt er sich. Diese Aggregate dienten rein zum Betreiben der bis dahin eingesetzten Pumpen.
Eine großflächige Stromversorgung von Wohnhäusern ist mit diesen Aggregaten und der vorhandenen Ausstattung unmöglich.

Man kann sagen, die Hilfsorganisationen handeln im Einsatzfall nicht nach den Wünschen eines Stadtrates, sondern nach den Vorgaben der Einsatzleitung.
Herr Reichwein hat nicht nur die Einsatzkräfte in ihrer Arbeit behindert, er hat auch Betroffene in einer Art und Weise aufgestachelt, die nicht tolerierbar ist. Es ist absolut verwerflich, die Betroffenen aufzufordern mit permanenten Anrufen (Notrufen!) die ILS einerseits zu blockieren, andererseits diese ILS bzw. die Einsatzkräfte zu Maßnahmen zu zwingen.

Als ein absolutes Gegenbeispiel zu Herrn L. Reichwein ist Frau Stadträtin Dr. AnnemarieMoratschek zu sehen. Sie kam regelmäßig in die Hauptfeuerwache, hat sich dort nützlich gemacht und sich so nebenbei über die Sachlage informiert. Sie war auch bei anderen Organisationen und hat dort mit der eingesetzten Helferschaft gesprochen und sich für die geleistete Arbeit bedankt.

Noch einmal zurück zum Einsatzgeschehen. Warum wurden die Anwohner von den Stromabschaltungen nicht rechtzeitig informiert? Es war keine Zeit mehr dazu. Dies beweisen die Brände in den Stromverteilerkästen.
Teilweise kamen auch Anwohner direkt auf Mitarbeiter der Stadtwerke zu und baten um Stromabschaltungen.

Abschließend möchte ich die reibungslose Zusammenarbeitvon Mitarbeitern der Stadt, den Stadtwerken,privaten Elektrounternehmen, sowie Einsatzkräften der Feuerwehr und des THW herausstellen, dass es möglich machte bis Freitag Mittag alle in Mitterwöhr abgeschalteten Haushalte wieder mit Strom zu versorgen.
Danken muss man aber auch dem KKI welches sehr unbürokratisch dem THW Landshut insgesamt 11 Pumpen mit unterschiedlicher Pumpleistung sowie das dazu gehörige Schlauchmaterial zur Verfügung gestellt hat. Alle diese Pumpen sowie alle Pumpen des THW waren dann in Mitterwöhr im Einsatz.
Um den dafür notwendigen Strom zu erzeugen wurde das THW Landshut durch die Kollegen vom Ortsverband Ergolding mit ihrem 320 KVA-Aggregat unterstützt.
Die unfallfreie Zusammenarbeit allerHilfsorganisationen war bei diesem, seit Jahrzehnten nie da gewesenem Schadensbild, optimal. Dies ist aber auch dem unermüdlichen Einsatzwillen aller Einsatzkräfte zu verdanken.

Michael Saller
Bundesanstalt Technisches Hilfswerk
Ortsverband Landshut
Ortsbeauftragter


Leserbrief der Feuerwehr Landshut zum offenen Brief des Stadtrats Reichwein

Die von Stadtrat Lothar Reichwein erhobenen Vorwürfe gegen die Katastrophenschutzbehörde, die eingesetzten Hilfsorganisationen und insbesondere auch gegen die Landshuter Feuerwehr und deren Führung dürfen nicht unwidersprochen bleiben.
Zuerst zur Lage in Mitterwöhr. Dort war die Feuerwehr bereits seit Sonntagvormittag ununterbrochen tätig. Als sich die Einsatzzahlen am Montagmorgen dann nochmals deutlich erhöhten, wurde seitens der Einsatzleitung umgehend eine örtliche Koordinierungsstelle eingerichtet und alle verfügbaren Kräfte der Feuerwehr sowie das Landshuter THW dorthin alarmiert. Kurze Zeit später waren 80 Helfer beider Organisationen vor Ort, haben Pumpen und Aggregate installiert und mit mehreren Fahrzeugen im Akkord Sandsäcke geliefert. Auf Grund des sehr schnell eindringenden Grundwassers kam es in einigen Gebäuden zu Kurzschlüssen und Kabelbränden, die zum Glück glimpflich ausgingen. Die Stromabschaltungen, die im Übrigen auch Andernorts in noch größerer Anzahl als in Mitterwöhr notwendig waren, waren somit nicht zuletzt auch zum Schutz der Bewohner und der Einsatzkräfte unumgänglich. Man denke hier nur an den bei Magdeburg verstorbenen Hauseigentümer, der im überfluteten Keller einem Stromschlag erlag. Trotz eines massiven Pumpeneinsatzes von THW und Feuerwehr (über 20.000 Liter pro Minute) war gegen die massiv nachströmenden Grundwassermassen, die sowohl über den Kanal als auch über die Keller eindrangen, keinerlei Abwehrmöglichkeit mehr gegeben. Die Meinung, Herr Reichwein hätte mit (s)einer Pumpe im Kanal für Entspannung gesorgt, gehört ins Reich der Fantasien.
In Anbetracht der sich am Montagnachmittag teilweise dramatisch zuspitzenden Lage an anderen Stellen in unserem Einsatzgebiet mussten die Kräfte schließlich weitgehend aus Mitterwöhr abgezogen werden. Eine Entscheidung, die wir uns bestimmt nicht leicht gemacht haben. Wir haben aber die Bürgerinnen und Bürger zu keiner Zeit alleine gelassen, sondern während der Nacht auf Dienstag mehrere Kräfte von BRK, Wasserwacht und THW vor Ort gehabt. Lautsprecherdurchsagen wurden mehrmals gemacht und seitens der Stadt ein Ausweichquartier angeboten.

Auch das Thema Erreichbarkeit der Führungskräfte ist so, wie es Herrn Reichwein schildert, völlig aus der Luft gegriffen. Sowohl vor Ort in Mitterwöhr als auch in der Hauptfeuerwache waren permanent Führungskräfte der Katastrophenschutzbehörde, der Feuerwehr und anderer Organisationen zugegen. Hätte sich Stadtrat Reichwein die Mühe gemacht, auch einmal kurz in der Hauptwache vorbei zu schauen (wie dies übrigens andere Stadträte gemacht haben), dann hätte er auch in einer etwas ruhigeren Atmosphäre mit Verantwortlichen sprechen können. Es ist aus unserer Sicht schlechter Stil, sich vor Ort Mitstreiter zu suchen, diese gegen die Hilfskräfte aufzuwiegeln und mit teilweise unter der Gürtellinie liegenden Ausdrücken auf die freiwilligen Helfer loszugehen. Dass diese Leute, über viele Stunden hinweg im Einsatz waren, dann irgendwann auf Durchzug schalten, ist, so glauben wir durchaus nachvollziehbar. Auch Anstiftungen des Herrn Reichwein gegenüber seinen Mitstreitern, jeder solle im 15-Minuten Takt über 112 die Feuerwehr rufen, und eine dringende Lage schildern – „denn dann bleibens auch irgendwann da“, können nicht gut geheißen werden, das ist schlichtweg Notruf-Missbrauch.

Die Kritik an der Einsatzleitung ist für uns ebenso unbegreiflich wie die geäußerte Kritik an der Integrierten Leitstelle (ILS). Sie zeigt ausschließlich, dass Stadtrat Reichwein keinerlei Kenntnis von der Struktur der Hilfsorganisationen, von deren Befehlskette und schon gar nicht vom am Montag ausgerufenen Katastrophenfall  Sachlage hatte. Auch die Tatsache, dass er nicht einmal die Einsatzkleidung der Landshuter Feuerwehr kennt, ist befremdlich. Die ILS ist lediglich Empfänger der Notrufe und verteilt diese dann an die Kreiseinsatzzentralen weiter. Sie trifft keinerlei einsatztaktische Entscheidungen.

Es ist uns allen unerklärlich, wie Jemand ohne stichhaltige Argumente und ohne Kenntnis von Katastrophenschutz und Großschadenslagen, die Kompetenzen erfahrener Einsatzleiter und Führungskräfte derart in Frage stellt und teilweise sogar untergräbt. Die Einsatzleitung hatte in dieser Hochwasserwoche die Verantwortung für 65.000 Einwohner in der Stadt Landshut und alleine im Stadtgebiet fast 900 Einsätze abzuarbeiten. Neben Mitterwöhr waren auch andere Stadtteile sehr stark vom Eindringen des Grundwassers betroffen. Ganz zu schweigen von der äußerst angespannten Lage entlang des Deichbereichs westlich der Münchnerau, die letztendlich auch ausschlaggebend für den Katastrophenfall in Stadt und Landkreis Landshut war.

Zum Abschluss möchten wir noch anmerken, dass die Helferinnen und Helfer aller Organisationen, die zur Bewältigung dieser – bisher für Landshut einmaligen Hochwasserlage bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gegangen sind, ihre Arbeit freiwillig und ehrenamtlich machen. Die meisten haben fünf Tage ihren Arbeitsplatz nicht aufgesucht, viele haben ihre Familien über mehrere Tage nicht gesehen. Viele waren selbst vom Hochwasser betroffen und hätten gar selbst Hilfe nötig gehabt. Gegenüber diesen Leuten und auch deren Arbeitgebern, ohne die ein solcher Einsatz nicht zu bewältigen wäre, sind die Vorwürfe und Anschuldigungen des Herrn Reichwein schlicht beschämend. Man kann über vieles Reden, aber der Ton und die Art und Weise machen die Musik. Und darin haben Sie sich, lieber Herr Stadtrat, leider gründlich vergriffen.

Von den vorstehenden Worten wollen wir die Einwohner Mitterwöhrs ausdrücklich ausschließen. Sie haben sich stets hervorragend verhalten und auch großes Verständnis für die Entscheidungen der Hilfskräfte gezeigt. Auch die vielen Dankesschreiben und Anrufe, die wir aus dieser Gegend erhalten haben, zeigen, dass die haltlosen Vorwürfe einer Person und weniger Mitstreiter Einzelmeinungen sind und nicht die Haltung der Bevölkerung darstellen.

Erich Gahr und Otto Weber im Namen aller aktiven Landshuter Feuerwehrfrauen und –Männer.


Den Bericht des Landshuter Wochenblatt vom 11.06.2013 mit dem offenen Brief finden sie hier http://www.wochenblatt.de/nachrichten/landshut/regionales/Zum-Wohl-der-Betroffenen-eingemischt;art67,182833