Land unter in Schweinbach
Landshut 12.06.2018 - Massives Starkregenunwetter trifft Landshuter Osten und Teile des Landkreises
Evakuierungen im Bereich Wolfsbacher Weg wegen drohenden Dammbruchs
Ein Unwetter mit extremen Starkregen und ein nachfolgendes lange stehendes Starkregengebiet haben am Dienstagabend im Landshuter Osten sowie in Teilen des Landkreises für teils schwere Überschwemmungen gesorgt. In Landshut war davon vor allem der Bereich rund um Schönbrunn/Schweinbach betroffen. In diesem Bereich waren in der Spitze bis zu 200 Kräfte von Feuerwehr, THW, Polizei und Rettungsdiensten von 18:30 Uhr bis 5:00 Uhr  morgens im Einsatz.

Durch den heftigen Starkregen – ein Kamerad der Landshuter Feuerwehr hat aus seinem privaten Regenmesser bereits nach einer halben Stunde 50 Liter Wasser entleert – liefen gegen 19:00 mit der ersten Unwetterzelle sowohl die Regenrückhaltebecken in Attenkofen als auch die Becken oberhalb Schweinbach voll. Nach Kenntnis der Feuerwehr wurden in diesen Becken 105.000 Kubikmeter Wasser zurückgehalten. Trotzdem kam es bereits zu diesem Zeitpunkt im Bereich der Staatsstraße 2045 nach Adlkofen/Jenkofen, im Bereich der Wildbachstraße und auch im Kreuzungsbereich Niedermayerstraße/Wildbachstraße zu Überflutungen der Fahrbahn und einiger Garagen und Grundstücke. Darum  wurde gegen 19.00 Uhr auch das THW Landshut alarmiert.

In den betroffenen Gebieten  wurden von Anwohnern und Feuerwehrkräften bereits Sandsäcke zum Schutz der Grundstücke aufgebaut. Da mit den Wassermassen auch einiges an Geröll, Schlamm und Holzteilen auf die Fahrbahn geschwemmt wurde, rückte das THW zusätzlich mit schwerem Räumgerät an. Der MAN Ladekran der Fachgruppe Wassergefahren wurde zur Brücke am Schweinbach beordert um dort eine Verklausung zu entfernen.  Zudem musste auch die Anfahrt des Löschzugs Frauenberg über die Frauenberger Straße nach Schönbrunn erst mit dem Radlader des THWs von Unrat befreit werden. Die Straße wurde zwischen der Sparkassenarena und der Gretlmühle komplett gesperrt.

Anschließend  wurde der geländegängige MAN Ladekran noch mit Pumpen nach Attenkofen geschickt, da hier ein Durchkommen für Feuerwehrfahrzeuge nicht mehr möglich war. Ebenso musst noch eine Dammbalkensperre mit dem Ladekran entfernt werden um einen besseren Abfluss des Schweinbaches zu gewährleisten.

Nach Abschluss dieser Arbeiten wurde das THW Landshut mit MAN Ladekran und Kipper mit Sandsacktransporten betraut. Aufgabe war es die Sandsackvorräte der Feuerwehr und des THW zu den Einsatzstellen zu bringen. Zwischenzeitlich  wurde auch noch der Abroller des THW Landshut nach Geisenhausen zum Sandsacktransport beordert, da sich dort kurzzeitig die Lage zuspitzte. Ebenso wurden zwei Bergegruppen von der Feuerwehr zum Unterstützen der Dammsicherung des Schweinbaches angefordert.

Durch den kurzzeitig nachlassenden Regen entspannte sich gegen 21:00 die Situation schließlich ein wenig.

Rund eine Stunde später setzte dann aber über Landshut und dem Landshuter Osten erneut heftiger Starkregen ein. Durch die bereits gefüllten Regenrückhaltebecken lief das hier niedergehende Wasser sofort über den Schweinbach ab, was schließlich gegen 23:00 zu steigenden Pegeln und damit zu einer Zuspitzung der Lage am Schweinbachdamm auf der Seite des Wolfsbacher Weges führte. Die dortige Wohnbebauung liegt an den tiefsten Stellen rund drei bis vier Meter unterhalb der Dammkrone des Schweinbachs. Da hier ein Überschwappen des Wassers und damit eine akute Gefährdung des Dammes nicht mehr ausgeschlossen werden konnte, wurde hier mit mehreren tausend Sandsäcken der Damm erhöht. Zusätzlich wurden mit weiteren Sandsäcken einige Anwesen gesichert. Durch das schnell steigende Wasser und bereits einige leicht überströmte Stellen konnte gegen 23:30 auch ein Dammbruch nicht mehr ausgeschlossen werden. Daher entschlossen sich die Einsatzkräfte aus Sicherheitsgründen dazu, den Bereich des Wolfsbacher Weges zu evakuieren und bis auf einen Löschzug, alle verfügbaren Kräfte der Landshuter Feuerwehr nach Schönbrunn zu beordern. Ebenso wurde in der Zwischenzeit die Einsatzstelle durch die Fachgruppe Beleuchtung des THW Landshut zum effektiveren Arbeiten ausgeleuchtet.  Die von Polizeibeamten und Feuerwehrkräften durchgeführte Evakuierung von über 50 Personen verlief völlig reibungslos. Für sie wurde von Kräften der Rettungsdienste in der nahen Sparkassenarena eine Notunterkunft mit Betten, Verpflegung und Betreuung eingerichtet. Durch die massive Dammsicherung gelang es den Einsatzkräften schließlich, den Damm zu sichern und eine großflächige Überflutung des Wolfsbacher Weges zu verhindern. Bis auf kleinere Probleme in Kellern und Garagen kann man hier am Ende dann doch von Glück im Unglück sprechen. In der Nacht rückte dann zusätzlich zur Entlastung der Landshuter Kräfte noch das THW Mühldorf an, die sich aber glücklicherweise auf kleinere Sicherungsmaßnahmen sowie Aufräumarbeiten beschränken konnten. Die Evakuierung konnte schließlich gegen 4:00 morgens aufgehoben werden.

Insgesamt waren an diesem Abend im Bereich Schönbrunn/Schweinbach rund 200 Kräfte von Feuerwehr, THW, Rettungsdiensten und Polizei im Einsatz. Der Einsatz wurde dabei von den Führungskräften um Stadtbrandrat Gerhard Nemela sowie der Einsatzleiter von THW, Polizei und BRK aus der Kreiseinsatzzentrale koordiniert und geleitet. Vor Ort fungierten Landshuter Feuerwehrzugführer mit Unterstützung des Führungsfahrzeuges sowie der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung als Abschnittsleiter. Seitens des THWs wurde  ein Zugführer an die örtliche Einsatzleitung abgestellt. Die Zusammenarbeit mit allen weiteren Hilfsorganisationen funktionierte dabei gewohnt reibungslos. Gegen 5:00 morgens endete der Einsatz schließlich für die meisten Kräfte der Landshuter Feuerwehr und des THWs.

Bericht: Florian Kräh -red
Bilder: THW Landshut