Großübung des Geschäftsführerbereichs Mühldorf im Chemiepark Gendorf

Eine Übung für 275 Helferinnen und Helfer auszuarbeiten bereitet schon im Vorfeld große Schwierigkeiten. Dazu muss nicht nur das geeignete Übungsobjekt und -gelände gefunden werden sondern natürlich auch die dazugehörige Logistik geschaffen werden. Wahrscheinlich würde niemand auf den Gedanken kommen eine solche Übung in einem Chemiewerk - das sich auch noch im laufenden Produktionsbetrieb befeindet - durchzuführen.

Die beiden Mitarbeiter der Geschäftsstelle Mühldorf Andreas Wageneder (SB Einsatz) und Lorenz Balhuber (SB Ausbildung) die die Übung ausarbeiteten nutzten jedoch die Guten Kontakte zur Werkfeuerwehr und nahmen das Angebot eine Einsatzübung für zehn Technische Züge durchzuführen gerne an.

Zusammen mit dem Werkschutz und der Werkfeuerwehr wurden im Gelände der Fa. InfraServ Gendorf eine Stationsübung mit einem Themenschwerpunkt im Bergungsbereich ausgearbeitet. Dabei entstanden insgesamt sieben Einsatzstellen die jede teilnehmende Einheit nacheinander durchlaufen musste.

Bereits im Vorfeld der Übung wurde jedem technischen Zug die Ankunftszeit durch die Übungsleitung und deren verlängertem Arm die Fachgruppe Führung und Kommunikation mitgeteilt. Gleich nach dem Eintreffen meldete sich der Zugführer bei der THW - Führungsstelle an und bekam seine Aufgabe zugewiesen.

Zu den abzuarbeitenden Übungsaufgaben gehörten dabei das Wiedereingleisen eines verunglückten Eisenbahnwagons, das abdichten einer leckgeschlagenen Rohrleitung, das Auffinden und Retten einer vermissten Person in einem Tunnelsystem, das Retten einer verletzten Person von einem Revisionsgang eines Tankes, das Retten einer bewusstlosen Person aus einem Silo und das Abstützen eines Rohrträgers mit dem Einsatzgerüstsystems (EGS) sowie die Bergung eines verunglückten Fahrzeuges an einer Böschung.
Von der Übungsleitung wurde den Teilnehmern dazu nur die Aufgabe vorgegeben, der Lösungsweg stand dabei jedem Einheitsführer frei. Er konnte dabei auf seinen kompletten technischen Zug zurückgreifen, über die Führungsstelle Einsatzkräfte und Material nachfordern oder aber auch nur mit einer Teileinheit seiner mitgebrachten Kräfte die gestellte Aufgabe erledigen.

Der Umfang der Aufgaben lässt sich natürlich nicht innerhalb weniger Stunden erledigen, darum war der Übungszeitraum von Freitagabend durchgehend bis Samstagabend geplant. Zu den organisatorischen Aufgaben der Übungsleitung gehörten dabei auch für jede Einheit die Ruhezeiten, Essenspausen einzuplanen und trotzdem die ständige Besetzung der Übungsstellen zu gewährleisten. Für die übenden Kräfte bedeutet dies je nach Uhrzeit einen Mehraufwand durch den Aufbau einer Beleuchtung an der Einsatzstelle.

Die Übungsstationen im Einzelnen:

Rettung einer verletzen Person vom Wartungsgang des Klärtanks (Höhenrettung)
Die Einsatzkräfte fanden an dieser Einsatzstelle eine sehr unübersichtliche Situation vor. Aus ungeklärter Ursache war der Verbindungsgang zwischen der Straße und den beiden Auffangbehältertanks zusammengebrochen. Ein mit Wartungsarbeiten beauftragter Angestellter wurde dabei schwer an Gesäß und Rücken verletzt und ist noch vermisst. Nach dem Auffinden und der Erstversorgung des Verletzten musste dieser von dem Wartungssteg abtransportiert werden. Hier gab es für die Einsatzkräfte zwei Lösungswege. Mit Teilen aus dem Einsatz-Gerüstsystem (EGS) konnte ein Ausleger an das Geländer angebaut und der Verletzte mit dem Schleifkorb abgelassen werden. Die andere Möglichkeit bestand darin aus Steckleiterteilen eine schiefe Ebene zu bauen und den Verletzten damit auf die zugängliche Böschung zu bringen.

Abstützen einer Rohrbrücke auf beiden Seiten der Stütze
Nachdem ein LKW gegen die Stütze der Rohrbrücke gefahren war muss durch die Einsatzkräfte mit Hilfe des Einsatz-Gerüstsystems (EGS) eine Lastabfangung gebaut werden, die das durchbiegen der Rohrbrücke und dadurch den Rohrleitungsbruch verhindert. Da diese Einsatzstelle an einer befahrenen Straße im Werk liegt gehört auch noch eine Verkehrsabsicherung zur Übungsaufgabe.

Retten einer bewusstlosen Person aus einem Silo
Ein Mitarbeiter einer Fremdfirma ist trotz Hinweisschilder ohne umluftunabhängiges Atemgerät in ein Silo eingestiegen und ist seitdem vermisst. Die Einsatzkräfte müssen mit dem Gaswarngerät die Örtlichkeit erkunden. Durch eine enge Zugangsöffnung muss ein Atemschutzgeräteträger in das Silo einsteigen und die bewusstlose Person mit Hilfe des Rollglies aus dem Behälter herausziehen und im Anschluss vom Silo herabgelassen werden. Auch in diesem Fall ist die Rettungsmöglichkeit über den Bau einer "schiefen Ebene" mit Leiterteilen eine weitere Option die den Einsatzkräften zur erfolgreichen Aufgabenbewältigung zur Auswahl stand.

Bergung eines von der Straße abgekommen Fahrzeuges
Im Werksgelände war ein kleiner LKW bei einer Transportfahrt von der Straße abgekommen. Die Straße ist durch eine Böschung sehr schmal und schwer zugänglich. Der Fahrer konnte sich selbst befreien und ist nicht verletzt. Die Einsatzkräfte der Technischen Züge müssen nun das Unfallfahrzeug mit Hilfe von Greifzügen oder der Seilwinde des Gerätekraftwagens (GKW I) wieder auf die Straße bringen. Durch die beengten Platzverhältnisse muss dabei eine Umlenkung am GKW II eingesetzt werden.

Suche nach einer vermissten Person im Stollensystem
Die Firmenanlage des Chemieparks Gendorf stammt noch aus den Zeiten vor dem zweiten Weltkrieg und verfügt zum Teil noch über unterirdische Verbindungsgänge. Diese Gänge werden nicht mehr benutzt, müssen aber noch immer regelmäßig kontrolliert werden. Bei einem dieser Kontrollgänge ist der zuständige Elektriker vermisst. Eine Funkverbindung im Tunnelsystem ist nicht möglich. Die Einsatzkräfte müssen nun unter Atemschutz in den Tunnel vordringen und das System so erkunden, dass eine ständige Verbindung zum Tunneleingang und damit der Eigenschutz der Kräfte gewährleistet ist. Nach dem Auffinden der verletzten Person, die sich etwa 100 Meter tief im verzweigten Tunnelsystem befand, musste diese erstversorgt und anschließend mit einer Trage abtransportiert werden.

Abdichten eines Rohres um den VE - Wasseraustritt zu stoppen
Eine Rohrleitung wurde durch einen Gabelstapler beschädigt. Aus dem entstandenen Riss im Rohr tritt VE - Wasser aus. VE - Wasser ist völlig entsalztes Wasser, das in der Herstellung sehr kostenintensiv ist. Um einen größeren wirtschaftlichen Schaden zu verhindern und die Produktion wiederaufnehmen zu können muss die Leitung provisorisch abgedichtet werden. Hierfür steht durch das fehlen eines Lösungsweges durch die Übungsleitung natürlich ein großes Spektrum an Möglichkeiten zur Verfügung. Die einfachste und meistbenutzte Variante ist das Einschlagen eines Holzkeiles zum Abdichten. Eine weitere Möglichkeit war das Abdichten mit einer Gummimatte und das festzurren mit Spanngurten.

Eingleisen eines Kesselwagens
Bei Rangierarbeiten im Werksgelände wurde ein Kesselwagen über einen vergessenen Hemmschuh geschoben und damit zum entgleisen gebracht. Vom Kesselwagen selbst geht keine Gefährdung aus, wenn dieser nicht beschädigt oder Ventile geöffnet werden.
Zum Aufgleisen wurde Gerät von der Werkfeuerwehr zur Verfügung gestellt. Dabei musste beiderseits des Wagens mit Holz eine Unterkonstruktion geschaffen werden. Darauf konnte ein Hydraulikgestell mit Hubkolben (wie Hydropresse) gesetzt werden. Mit diesen Hubkolben wurde dann der Wagen angehoben. Vorher musste noch das Drehgestell des Eisenbahnwagons gesichert werden und mit der Seitenschubhydraulik konnte die Eingleisung ausgeführt werden.

Am Samstagvormittag wurde für die Übung noch ein Gästeprogramm durchgeführt, das rege Teilnahme von vielen Seiten fand. So waren Vertreter und Übungsbeobachter vom Bundesministerium des Inneren, der Regierungen von Nieder- und Oberbayern, der Katastrophenschutzeinrichtungen der Landkreise im Geschäftsführerbereich Mühldorf, der Feuerwehren, der Polizei und auch der Bundeswehr sowie der THW Landesbeauftragte Dietmar Löffler und die Ortsbeauftragten der teilnehmenden Ortsverbände anwesend. Die Führung durch den Industriepark und die Einsatzstellen übernahm dabei der Leiter der Werksfeuerwehr Gendorf Martin Siebert und Geschäftsführer Helmut Königbauer.

Während der gesamten Übung wurde die Verpflegung durch die Fachgruppe Logistik des Ortsverbandes Altötting sichergestellt. Auch Verschleiß- und Verbrauchsmaterialien wurden durch die Fachgruppe Logistik (Mat.) des Ortsverbandes Berchtesgadener Land wiederaufgefüllt. Eine defekte Druckluftbremse eines GKW konnte genauso repariert werden wie verbrauchte Atemluftflaschen wieder aufgefüllt werden. Die Fachgruppe Elektroversorgung des Ortsverbands Ergolding versorge den Zeltplatz mit Strom.

Der Besondere Dank der Geschäftsstelle Mühldorf für die Unterstützung gilt: der Fa. InfraServ Gendorf, besonders dem Leiter des Werkschutzes und der Werkfeuerwehr Dipl. Ing. (FH) Martin Siebert und seinem Team der Fa. Vorderobermeier für die Bereitstellung des Gästebusses der Geschäftsstelle Bad Tölz und den Ortsverbänden Bad Aibling und Rosenheim für die Unterstützung und Stellung der Schiedsrichter und allen die zum Erfolg der Übung beigetragen haben.

Resueme zur GFB Übung "Gendorf - Power" 2008
Aus Sicht der Geschäftsstelle sind im Großen und Ganzen die Erwartungen im Bezug auf den Ausbildungsstand und die Einsatzfähigkeit bestätigt worden. Nichts desto Trotz hat es ein paar Überraschungen sowohl negativer als auch positiver Art gegeben. In jedem Fall konnte man feststellen, dass alle Ortsverbände des GFB Mühldorf einsatzbereit sind der Eine etwas mehr der Andere etwas weniger. Aber wir sind überzeugt davon, dass die Erkenntnisse aus dieser Übung in die Ausbildung der Ortsverbände einfließen werden und somit ein positiver Schub ausgelöst wurde.

Andreas Wageneder
SbE, GSt Mühldorf


Bericht: Stefan Huber 11.08.2008
Bilder: Stefan Huber, Matthias Simbürger