Einsatzübung Burg Trausnitz
Samstag, 11.10.2008
in Zusammenarbeit von THW, FFW, BRK und MHd Landshut

1. Präambel:

Die Führungskräfte und Angehörigen der genannten Landshuter Hilfsorganisationen sind sich der hohen Verantwortung gegenüber der Bevölkerung unserer Heimatstadt und des Landkreises Landshut gemäß ihrer satzungsgemäßen Aufgaben bewusst. Um den Wechselfällen des Lebens Rechnung zu tragen, wurde zur Intensivierung der Zusammenarbeit im Großschaden- bzw. Katastrophenfall ein gemeinsames Übungs-Konzept erarbeitet, das den vielseitigen Anforderungen moderner Einsatztaktiken gerecht wird.

Diese Übung wird Ausgangsbasis zur Verstärkung des organisationsübergreifenden
Zusammenwirkens der Einsatzkräfte sein und zugleich die Grundlage für weitere Großübungen bilden.

2. Die Einheiten:

Bayerische Rotes Kreuz, Kreisverband Landshut: Öffentlicher Rettungsdienst, SEG Sanitaäts- Betreuungsdienst, Technik und Sicherheit
Freiwillige Feuerwehr der Stadt Landshut: LZ 1und 2 Stadt, LZ 3 Achdorf,. LZ 5 Hofberg
Technisches Hilfswerk, Ortsverband Landshut: 1.Technischer Zug
Malteser Hilfsdienst, Ortsgruppe Landshut: Öffentlicher Rettungsdienst

3. Übungsannahme und gedachter Verlauf:

a. Ausgangslage:
Am Samstag, 11. Oktober 2008, findet parallel zu der normalen Öffnung der Trausnitz im Weißen Saal der Burg ein Festempfang der Firma "Destrukta - Heim und Wohnen" statt.
Die Gäste werden mit Shuttle-Bussen zum Veranstaltungsort gebracht; Haltepunkt ist das Verwaltungsgebäude. Den restlichen Weg zum Veranstaltungsraum Weißer Saal legen sie zu Fuß zurück..
Der Festakt beginnt mit Ansprachen der Firmenleitung und Ehrungen verdienter
Mitarbeiter/innen um 11.00 Uhr. Es sind ca. 50-60 Personen anwesend.
Danach schließt sich ein Stehempfang an. Es werden auch warme Speisen gereicht.
Zu diesem Zweck wurde der Catering-Service "Gourmet-Tempel mobil" beauftragt, die
Bewirtung vorzunehmen und die Speisenausgabe innerhalb des Weißen Saales bzw. in unmittelbar anschließenden Räumlichkeiten vorzunehmen.

Entgegen ausdrücklichen Auflagen seitens der Burgverwaltung wurden zum Warmhalten
der Speisen jedoch gasbetriebene Vorrichtungen verwendet, weil die elektrische Warmhalteanlage am Vorabend ausgefallen, eine kurzfristige Ersatzbeschaffung nicht möglich war und sich "Gourmet-Tempel mobil" die Einnahmen nicht entgehen lassen wollte.

b. Schadenlage:
Gegen 13.00 Uhr kommt es aufgrund eines Defektes an einem der
Gasbrenner zu einer heftigen Explosion mit nachfolgendem Brand im Durchgangsbereich vom Weißen Saal zu einem der angrenzenden Räume, in dem Getränke ausgegeben und Speisen zubereitet werden.
Durch umher fliegende Teile der Warmhaltevorrichtungen, Gasflaschen usw. sowie dem ausbrechenden Feuer werden ca. 20 - 25 Personen schwer und mittelschwer verletzt, etwa
die gleiche Personenzahl kann als leicht verletzt gelten.


c. Einsatzlage:
Bei der Integrierten Leitstelle der Stadt Landshut (ILS) gehen mehrere Anrufe
von verletzen Personen, aber auch unbetroffenen Burgbesuchern ein, die von einer "schweren Explosion und Feuer in der Burg" berichten. Zunächst lassen sich daraus keine genauen Angaben über den Umfang des Schadenereignisses und/oder der Anzahl von Verletzten bzw. Betroffenen entnehmen.
Parallel zu den Anrufen laufen bei der Polizeiinspektion Landshut und der ILS
Alarmmeldungen der automatischen Brandmeldeanlage in der Burg Trausnitz auf.
Die Disponenten der ILS alarmieren sofort von der Freiwilligen Feuerwehr den Löschzug Hofberg und die Stadtlöschzüge, sowie den öffentlich-rechtlichen Rettungsdienst von BRK und MHD.
Zwischenzeitlich eingehende weitere Anrufe bei der ILS geben Aufschluß darüber, dass es sich offenbar um eine größere Anzahl verletzter Personen und ein sich ausdehnendes
Brandereignis handelt. Unbestätigten Mitteilungen zufolge sei durch die Explosion ein Gerüst eingestürzt. Ob möglicherweise auch Gebäudeteile beschädigt bzw. einsturzbegefährdet sind, ist noch unklar.
Seitens der ILS wird daher entschieden, die Alarmstufen zu erhöhen und zusätzlich folgende Einheiten zu alarmieren:
- Den Löschzug Achdorf der FFW
- einen Technischen Zug des THW Landshut
- die Schnelleinsatzgruppen Sanitäts- und Betreuungsdienst, Technik und Sicherheit sowie die Notfallnachsorge von BRK und MHD Landshut
- die Sanitätseinsatzleitung und den Örtlichen Einsatzleiter der Feuerwehr

Die zunächst eintreffenden Einheiten von Rettungsdienst und Feuerwehr beginnen mit der Menschenrettung und - soweit möglich - der Brandbekämpfung.
Im Innenhof der Burg bildet sich eine Verletztenablage, in der die ersten Personen, die von Mitarbeitern der Burgverwaltung ins Freie gebracht worden sind, versorgt werden. Auch andere Ersthelfer sind dort tätig. Der Zugführer der FFW wie auch der Einsatzleiter Rettungsdienst fordern bei der ILS entsprechend des Lagebildes weitere Kräfte an (s.o.).

Während die Zug um Zug eintreffenden Einheiten von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk die Rettung von Menschen - teilweise unter schwerem Atemschutz - aus dem brennenden Gebäude bewerkstelligen, richten die Einheiten des Sanitäts- und Rettungsdienstes von Bayerischen Rotem Kreuz und Maltesern im Außenbereich der Burganlage einen Behandlungsplatz ein, in dem die Verletzten Rettungs- bzw. sanitätsdienstlich versorgt werden und deren Transportfähigkeit hergestellt wird. Im Bereich der Zugbrücke wird ein Übergabepunkt für Verletzte aus dem direkten Schadenbereich von FFW- und THW-Kräften an den Sanitäts- und Rettungsdienst von BRK und MHD festgelegt.
Die Örtliche Einsatzleitung mit den Fachberatern der Sanitätseinsatzleitung sowie von THW und Feuerwehr koordinieren gemeinsam das Vorgehen der Rettungsarbeiten.
Hierbei kommt der Verkehrsführung aufgrund der beengten Verhältnisse an der Zufahrt zur Burg Trausnitz wesentliche Bedeutung zu. Die Zufahrt von Rettungsfahrzeuge und die Abfahrt bspw. der Rettungs- und Krankentransportwagen zu den Zielkrankenhäusern ist nur im Wechsel möglich.
Unverletzt Betroffene bzw. bereits behandelte Leichtverletzte werden vom BRK-Betreuungsdienst übernommen. Auch die Notfallnachsorge steht zur psychologischen Betreuung bereit.

Zwischenzeitlich stellt sich heraus, dass eine Besuchergruppe, die sich zum Zeitpunkt des Schadenereignisses im östlichen Burgflügel befand, vom Feuer eingeschlossen ist und damit der Rückweg versperrt wurde. Der genaue Standort der Eingeschlossenen ist zunächst nicht
eindeutig zu lokalisieren. FFW und THW werden von der Einsatzleitung angewiesen, alles Erforderliche für die Feststellung des Standortes und der Rettung der Besuchergruppe zu veranlassen.

Nach Abschluß der unmittelbaren Rettungsarbeiten und der Brandbekämpfung unterstützen die frei werdenden Kräfte soweit möglich das Personal von Sanitäts- und Rettungsdienst, sofern sie nicht zu weiteren Sicherungs- und Aufräumarbeiten im Schadenbereich benötigt werden.

Gegen 14.15 Uhr erhält der Örtliche Einsatzleiter die Nachricht, dass 2 - 3 Personen vermisst werden, die möglicherweise aufgrund ihres Schockzustandes im Bereich des Hofgartens hilflos umherirren. Die Einsatzleitung veranlasst über die ILS die Alarmierung der Rettungshundestaffel des BRK-Kreisverbandes Dingolfing und organisiert die Vermißtensuche mittels vor Ort befindlichen Einsatzkräften aller Hilfsorganisationen.

Die Verlegung der transportfähigen Patienten vom Behandlungsplatz in die Ziel- krankenhäuser erfolgt entsprechend der über die Sanitätseinsatzleitung von der ILS angeforderten Aufnahmekapazitäten der einzelnen Krankenhäuser bzw. Spezialkliniken.

Die im Hofgarten vermissten Personen werden in der Zeit zwischen 15.10 und 15.30 Uhr gefunden und dem Behandlungsplatz zur Versorgung zugeführt.
Gegen 16.00 Uhr sind alle Patienten nach entsprechender sanitäts- und rettungsdienstlicher Versorgung vom Behandlungsplatz in die Zielkliniken abtransportiert.

d. allgemeine Lage: Die Wettergegebenheiten entsprechen den tatsächlichen Bedingungen. Es stellt sich die bereits erwähnte Problematik, dass es nur einen einzigen befahrbaren Zugang zur Burganlage gibt, welcher auch nur aufgrund der engen Tordurchfahrten auf eine Länge von mehreren hundert Metern in einer Richtung befahren werden kann.
Dies bedingt ggf. erhebliche Zeitverzögerungen bei der Zu- und Abfahrt von Rettungsfahrzeugen aller Art. Auch die eigentliche Bausubstanz der Burg bzw. die engen und verschachtelten Zugänge stellen für die Menschenrettung erhebliche Herausforderungen dar. Daß sich bei einem Schadenereignis der angenommenen Art ggf. unter Schock stehende Personen aus dem unmittelbaren Bereich der Burg entfernen und bspw. im Hofgarten und/oder über das sog. "Ochsenklavier" absteigend in der Innenstadt etc. umherirren, stellt einen nicht zu unterschätzenden Aspekt für die Menschenrettung dar.

Übungskünstlichkeiten: Der Einsatz von Rettungshubschraubern für diese Übung ist nicht möglich, jedoch ist die Sanitätseinsatzleitung in Absprache mit de Örtlichen Einsatzleiter gehalten, einen geeigneten Hubschrauberlandeplatz erkunden zu lassen. Die Anzahl der eingesetzten Kräfte von BRK, THW, FFW und MHD können aus organisatorischen Gründen heraus - insbesondere unter Berücksichtigung der im Landkreis Landshut zeitgleich stattfindenden Hochwasserschutzübung - nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. Die zeitliche Abfolge der eintreffenden Einsatzkräfte muß den gesamten zur Verfügung stehenden Zeitrahmen angepasst werden und stellt sich deshalb teilweise stark verkürzt dar. So werden die teilnehmenden Einheiten überwiegend nicht von ihren tatsächlichen Standorten, sondern vom Innenhof der FFW Landshut abgerufen.
Auch die Zeiträume zwischen den Alarmierungen wurden aus dem gleichen Grund verkürzt.

Im vergleichbaren Realfall werden hier sicherlich auch überregionale Einsatzeinheiten herangezogen werden.

Bericht: Volker Andorfer, Michael Saller
Bilder: Michael Sepp, Stefan Huber (OV Landshut), Sepp Fuchs (OV Straubing)