K-Alarm in Stadt und Landkreis Landshut
Es begann alles ganz normal am Freitag Abend, die Fachgruppe Wassergefahren im Ortsverband Landshut trommelte eine Truppe zusammen um die geplante Verlegung eines Biergartenflosses für eine Gaststätte an der Isarpromenade noch vor dem angekündigten Hochwasser zu verlegen und zu befestigen. Obwohl die Pegel schon langsam stiegen und die Fließgeschwindigkeit zunahm wurde die Aktion ohne große Probleme mit 2 Halbpontons und zwei Mehrzweckbooten zur Sicherung erfolgreich durchgeführt werden.
Nur wenig später am selben Abend rückten nun aber doch ein Teil der Fachgruppe Räumen zusammen mit dem Nachbarortsverband Ergolding in den Landkreis nach Bruckberg um den dortigen Einsatzkräften der Feuerwehr die in den Ortsverbänden bevorrateten Sandsackpaletten zu liefern. Die Führung beider Ortsverbände entschied sich sofort in den Fahrzeughallen des OV Landshut mit der Befüllung und Bevorratung weiterer Sandsäcke zu beginnen.

Auch eine erst vor drei Wochen bearbeitete Einsatzstelle im Ortsteil Schweinbach wurde sofort wieder akut, denn der gleichnamige Bach konnte die Wassermassen durch den tagelangen Regen nicht mehr abtransportieren und stieg über die Ufer. Hier wurde neben zwei Bergegruppen des zweiten Technischen Zuges die Sicherungsmaßnahmen mit Sandsäcken und Pumpen durchführten auch der Zweischalengreifer am Kran des Dreiachsers der Fachgruppe Wassergefahren zum Beseitigen von gestautem Treibgut eingesetzt. Alle Arbeiten und Einsätze konnten in den späten Abendstunden gegen 23:30 Uhr beendet werden. Zu diesem Zeitpunkt rechnete wohl noch niemand damit was die nächsten Tage alles bringen sollten.

Am darauffolgenden Tag wurde im Ortsverband Ergolding die Sandsackbevorratung weiter voran getrieben. Über den Tag wurden über 20 Paletten mit mehr als 1500 Sandsäcken eingelagert. Für die Landshuter läuteten gleich nach dem Pokalfinale erneut die Alarmglocken beim THW. Viele Einsatzkräfte rechneten hier schon mit Hochwassereinsätzen. Jedoch alarmierte die Integrierte Leitstelle zur Personenrettung in der Isar. Bereits nach wenigen Minuten stellte sich der Einsatz als Fehlalarm heraus. 

Auch der nächste Tag verlief noch sehr normal. Während Bayernweit die Einsatzzahlen des THW´s deutlich nach oben gingen waren in Landshut erst mal nur die Feuerwehren an unzähligen Häusern im Pumpeinsatz. Einige Helferinnen und Helfer des Ortsverbandes sicherten eine Probe einer Landshuter Hochzeitsgruppe mit Pferden in der Innenstadt ab. Da für die Nacht ein Wasserstand für die Isar von knapp unter Meldestufe 4 angesagt wurde, entschied sich die Feuerwehreinsatzleitung um Stadtbrandrat Erich Gahr und Stadtbrandinspektor Martin Dax zum Aufbau der neu angeschafften mobilen Hochwasserwand entlang der Isarpromenade. 75 Einsatzkräfte der Löschzüge Schönnbrunn und Frauenberg, sowie des THW Landshut bauten in eindreiviertel Stunden den Hochwasserschutz auf. Parallel entsandte der Ortsverband Ergolding einen kompletten technischen Zug ins Binatal.
Im Gemeindebereich Bodenkirchen koordinierte der Zugtrupp des OV Ergolding zusammen mit der Feuerwehreinsatzleitung auch die Hilfe für die betroffenen umliegenden Ortschaften. Die Nacht über übernahmen Feuerwehr und THW neben die Logistik des Sandsacktransports und -verbaus die Beleuchtung an sechs Einsatzstellen und diverse Pumparbeiten.

Mit Beginn der Arbeitswoche am Montagmorgen wurde auch das Einsatzaufkommen in Stadt und Landkreis höher. Gleich frühs musste zu einer Suche nach einem vermissten Kind in der vollgelaufenen Flutmulde zur Unterstützung der Feuerwehr und der Wasserwacht ausgerückt werden. Im weiteren Verlauf des Tages, nach dem Einsatz von mehreren Booten und zwei Hubschraubern stellte sich dieser Einsatz als Fehlalarm heraus. Nur kurze Zeit später fanden Passanten ein Fahrzeug im Altheimer Stausee und so rückten weitere THW-Kräfte mit Boot, Tauchern, Kran und einem GKW zur Erkundung und späteren Bergung dieses Fahrzeuges aus. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass sich keine Insassen in dem Fahrzeug befanden.
Im Landkreis spitzte sich die Lage neben Bodenkirchen auch in Bruckberg und Piflas an den Isardämmen gefährlich zu. Und so rief Landrat Eppeneder 17:30 Uhr den Katastrophenfall aus. Die Stadt Landshut schloss sich 15 Minuten später an, da mittlerweile im Stadtgebiet knapp 500 Haushalte ohne Strom waren. Fachberater der THW Ortsverbände fanden sich nun umgehend in den Führungsstäben Katastrophenschutz der Stadt und im Landratsamt ein.
Die vollgelaufenen Keller und Tiefgaragen konnten nur noch schwer gezählt werden. Besonders schlimm war der untere Stadtteil von Mitterwöhr betroffen, wo ganze Straßenzüge nicht mehr befahrbar waren. Hier mussten die Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW die aussichtslosen Pumparbeiten sogar abbrechen. In den Abendstunden verstärkten Deichfachberater aus Landshut, Ergolding und Simbach am Inn die Sicherungsmaßnahmen am Bruckberger Isardamm auf Anforderung des örtlichen Einsatzleiters Karl Hahn.

Während des Dienstages versuchten Einsatzgruppen von Feuerwehr und THW im Stadtgebiet trotz anhaltendem Höchststand der Isar möglichst viele Keller zu sichern und wieder trockenzulegen. Der Katastrophenschutzführungstab in der Hauptfeuerwache beratschlagte derweil die zu treffenden Maßnahmen für die ernste Situation in Mitterwöhr. Über den Tag verteilt hielten zwei Wasserrettungsalarmierungen die Landshuter Hilfsorganisation zusätzlich zu der angespannten Hochwasserlage in Atem. Verursacht wurden diese ohne Ausnahme von unvernünftigen und sich mehr als dumm verhaltenden Jugendlichen die ihr Glück mehr als Überstrapazieren. Eine Fahrt mit dem Schlauchboot im Überflutungsgebiet kann man sicher nicht anders als Tollkühn und Dumm nennen.
Eine weitere Notfallalarmierung für eine umzustürzende gemauerte Bachböschung in der Ellermühle. Teile der historischen Mühle drohten Abzurutschen und wurden durch eine Holzabstützung gesichert.
Am späten Abend, als sich eine leichte Verbesserung des Pegelstandes der Isar einstellte wurde die Wiederaufnahme der Pumparbeiten in Mitterwöhr durch den Krisenstab angeordnet. Das THW holte sich von eon Kernkraft im KKI Isar acht Hochleistungspumpen mit insgesamt 22600 Liter Pumpleistung pro Minute und fast deren gesamten Schlauchvorrat. Zum Betreiben dieser und weitere großer Tauchpumpen von THW und Feuerwehr wurden vom Ortsverband Ergolding noch das 320 kVA Aggregat hinzugezogen. Ab Mittwochmorgens konnte so mit den Pumparbeiten und der Absenkung des Wasserstandes im Bereich der Hauptzufahrtststraße begonnen werden. Binnen weniger Stunden waren deutliche Erfolge zu erkennen und so wurden die Pumparbeiten die in der Spitze über 30 Tausend Liter in der Minute Erreichten auch über Nacht fortgeführt.

Je weiter das Wasser absank desto mehr besserte sich die Stimmung der betroffenen Bevölkerung, denn viele Evakuierte konnten bereits am Abend wieder ihre Häuser und Wohnungen betreten.
Am Donnerstag begannen die Landshuter Stadtwerke, unterstützt von Firmen und Elektrofachkräften des THW mit der Überprüfung und Freischaltung der Straßenzüge. Am Ersten Tag konnten noch 102 der 137 Haushalte in Mitterwöhr wieder an das Netz angeschlossen werden. Innerhalb von 32 Stunden stand Strom wieder in allen Wohneinheiten zur Verfügung. In die logistische Koordination war das THW mit seinen Elektrofachkräften stark eingebunden.
Mit dem Rückgang des Isarhochwassers wurde das nachdrückende Grundwasser im Katastrophengebiet in Stadt und Landkreis ein Problem. Viele bereits abgearbeiteten Einsatzstellen wurden so erneute Schadenslagen und forderten die Einsatzkräfte erneut.
Besonders betroffen war hier die Fa. Efaflex die nach Hochwasser nun mit dem Grundwasser erneut ein zentraler Einsatzschwerpunkt für Feuerwehr und THW Ergolding im Landkreis darstellte. Bereits abgebaute und abtransportierte Sandsäcke und Pumpen mussten hier erneut verbaut und betrieben werden. Hier unterstütze zweimalig der Ortsverband Eggenfelden mit Manpower und Pumpen die Ergoldinger Einsatzkräfte.

Erfolgreich abgeschlossen konnten die Einsatzstellen am Freitag Abend werden. Während die Einsatzstelle Mitterwöhr zurückgebaut wurde verteilten sich die Pumpen bereits wieder an viele kleine Einsatzstellen über das Stadtgebiet zum Abpumpen von Kellern und das Freilegen vollgelaufener Tiefgaragen.

Abschließend möchten die Einsatzkräfte der Bevölkerung herzlich für die Unterstützung und Versorgung während dieser Kräfteraubenden Einsatzwoche danken.

Bericht: Stefan Huber
Bilder: Dominik Zehatschek (Presse Feuerwehr Landshut); Katharina Forstner, Mathias Plonka (THW Ergolding); Mathias Krampfl, Michael Sepp, Sven Böhlke, Stefan Huber (THW Landshut)