Kurioser THW-Einsatz: Düsen-Jet bricht durch den Hangar-Boden
Flugplatz Ellermühle wird zum Schauplatz einer außergewöhnlichen Rettungsaktion Landshut. Wer gedacht hat, dass am Verkehrslandeplatz Ellermühle nur ab und zu ein Ultraleichtflugzeug startet oder höchstens mal eine Cessna mit einem Hobbypiloten am Steuerknüppel ihre Platzrunden dreht, der hat sich geirrt. Auf dem kleinen Landshuter Flugplatz starten und landen sogar zweistrahlige Passagier-Jets. Die Piloten eines solch hochwertigen Flugzeugs hatte in der letzten Woche einen eher ungewöhnlichen „Flugunfall“: Die teure Flugmaschine ist in den hölzernen Hangarboden eingebrochen, konnte weder vor noch zurück und hing fest. Was tun? Gut, dass das Landshuter THW selbst für außergewöhnlichste Notfälle bestens gerüstet ist.

Die Maschine sollte am Freitag, 17. März, von Mönchengladbach nach Landshut überführt werden. Sie war überholt und mit neuer Technik ausgerüstet worden. Der Flug verlief einwandfrei, die Landung in Ellermühle klappte problemlos. Die Probleme begannen erst nach dem Aufsetzen. Die kostspielige Maschine, die für bis zu acht Passagiere Platz bietet, sollte in einem Hangar in der Nähe des Flugfeldes geparkt werden. Der Hangar ist mit zwei großen Holzdrehscheiben ausgestattet, weil Flugzeuge am Boden sonst schlecht zu manövrieren sind. Eine der Drehscheiben war der Last des rund fünf Tonnen schweren Flugzeugs allerdings nicht gewachsen. Kurz nachdem die Maschine auf sie geschoben wurde, krachte es auch schon, und das Fahrwerk brach durch die Holzbalken. Die Maschine sackte bis zum Rumpf bzw. bis zu den Unterseiten der Flügel ein. Die Piloten wussten sich nicht mehr anders zu helfen, als das THW einzuschalten. Nach einer ersten Erkundung der Lage durch den ersten Zugführer Daniel Angerer und mit den beiden Piloten war klar: Die Bergung wird alles andere als einfach. „Schnell wurde klar, dass zusätzlich zum THW auch eine externe Servicefirma mit speziellen Flugzeughebern mit in die Bergungsarbeiten eingebunden werden musste, da ein Flugzeug nur sehr wenige spezielle Aufnahmepunkte für Hebezeuge besitzt“, so Michael Rott, Sprecher des Landshuter THWs.

Am frühen Samstagmorgen begann dann die knifflige Bergungs-Aktion. Um Gewicht für die Bergung zu reduzieren, wurden zunächst rund 1.500 Liter Kerosin aus den beiden Tragflächentanks abgepumpt. Dann verschafften sich die Helfer vom THW Zugang zu den beiden eingebrochenen Fahrwerken. Mit speziellen Hebekissen unter den Flugzeugen wurde der Jet ganz sachte Stück für Stück angehoben, „um mit weiteren Hebewerkzeugen unter die Räder des Fahrwerks zu kommen“, so Rott. Als die Servicefirma gegen 10 Uhr am Hangar eintraf, war das Flugzeug bereits so weit aus dem Boden gehoben, dass die Spezialisten nur noch ihre Flugzeugheber einsetzen mussten, um das Flugzeug bis auf Bodenniveau zu hieven. Die Maschine wurde dann auf lange Balken gestellt und von den THW-Helfern vorsichtig aus der Halle geschoben.

Ersten Schätzungen eines Mechanikers der Spezialfirma zufolge liegt der Schaden am Flugzeug, der beim Einbrechen in den Holzboden entstanden ist, bei einer hohen fünfstelligen, wenn nicht sogar sechsstelligen Summe. Befürchtet wird, dass der Rumpf der Maschine beim Einbrechen Schaden genommen hat.

Laut dem Chef der Landshuter Stadtwerke, Armin Bardelle, ist es übrigens nicht ungewöhnlich, dass sogar Jets den kleinen Landshuter Verkehrslandeplatz ansteuern. „Es gibt eine Landeerlaubnis für Flugzeuge bis 5,7 Tonnen“, so Bardelle. Wie die Maschinen angetrieben würden, ob nun durch Düsentriebwerke oder Propeller, und ob es sich um private oder gewerbliche Flugzeuge handle, das sei egal.

Bericht: Alexander Schmid – Wochenblatt Landshut
Bilder: THW Landshut