Mitten drin im Inferno

Eigentlich wollten sie ja nur üben, wie man gegen einen Waldbrand vorgeht. Doch dann wurde es plötzlich ernst. Drei Feuerwehrler und drei Vertreter des Technischen Hilfswerks aus Stadt und Landkreis Landshut kämpften in Griechenland gegen die verheerenden Waldbrände.

Im Rahmen eines Waldbrandcamps, das von der Hilfsorganisation ESEPA organisiert wurde, waren sie nach Griechenland gereist. Nach einigen Tagen wurden sie dann von der Realität eingeholt.

Gerald Bieber und Stephan Daffner von der Landshuter Feuerwehr sowie Andreas Pichl von den Altheimer Brandbekämpfern berichten seit Beginn ihrer Reise auf einem LiveBlog auf der Homepage der Landshuter Feuerwehr (www.feuerwehr-landshut.de) von ihren Erlebnissen in dem Camp bei Rizomata, einem kleinen Dorf zwei Fahrstunden von Thessaloniki entfernt. Mit dabei sind auch Florian Birkenseher, Georg Schwaiger (beide aus Landshut) und Martin Kowalski vom THW. Die ersten Tage erzählen sie in dem Blog etwas über ihre praktische und theoretische Ausbildung, berichten von Übungen und Ausflügen zum Strand.

Am 9. Tag, am vergangenen Freitag, dann der echte Feueralarm. „Mittags um zwölf Uhr bekamen wir einen Anruf von Nikos, dem Chef der ESEPA, wir sollen sofort zur Wache zurückkehren. Auf einem Berg in ca. 30 Kilometer Entfernung war ein Feuer ausgebrochen“, steht in dem Blog zu lesen. Und dann erfahren die Niederbayern, was es heißt, Feuerwehrmann in Griechenland zu sein: „Mit zwei Tanklöschfahrzeugen, eins mit einer griechischen und das zweite mit der bayerischen Mannschaft besetzt, machten wir uns auf dem Weg zur Einsatzstelle. Nach ca. einer Stunde Fahrt, zuletzt über Waldwege bis hoch zum Gipfel des Berges, erreichten wir den Brandort. Keine deutsche Feuerwehr würde solch einen Weg mit Großfahrzeugen dieser Art benutzen, aber den griechischen Kollegen steht hier nichts anderes zur Verfügung. Den Auspuff unseres Fahrzeugs mussten wir auf halber Strecke liegen lassen, er hat die Offroad-Strecke nicht überstanden.“ Der Brand war dann zwar bereits größtenteils unter Kontrolle, als die Helfer aus Deutschland eintrafen. Doch das sollte nur der Auftakt zu dem Inferno sein, dem sich die Niederbayern plötzlich gegenüber sahen.

Denn einen Tag später muss die komplette Campbesatzung ausrücken. In Athen ist die Situation bedrohlich. „Hier sollen große Waldbrände außer Kontrolle geraten sein. Wo der genaue Einsatzort sein wird, steht noch nicht fest“, berichten die Niederbayern in ihrem Blog.
Am elften Tag ihrer Reise sind die Helfer aus Niederbayern dann mitten drin im Geschehen und ihre Schilderungen werden immer dramatischer: „Wir haben immer noch keinen Kontakt zu den Jungs in Athen. Dort wüten große Waldbrände. Seit Samstag morgens ist ein Löschzug vom Waldbrandcamp der ESEPA dort im Einsatz, mit dabei sind Martin und Georg von der Landshuter Truppe.“

Der zweite Teil der niederbayerischen Gruppe ist derweil rund um Patras im Einsatz. Hier wüten zwölf Feuer. „Wir haben Luftunterstützung von drei Löschflugzeugen erhalten. Das Hauptproblem bei diesen Bränden ist der ständig wechselnde Wind sowie die Lage der Brandstellen, die sich weit oben auf dem Berg nahezu unerreichbar für Löschfahrzeuge befinden.“ Am gestrigen Dienstag meldeten dann die Nachrichtenagenturen, dass die Brände in Griechenland größtenteils unter Kontrolle sind – und für die Einsatzkräfte aus Landshut geht wohl einer ihrer aufregendsten Einsätze zu Ende. Am morgigen Donnerstag werden sie zurückerwartet. Aus Feuerwehrkreisen war zu hören, dass sie alle gesund und wohlauf sind.

Alexander Schmid

Bericht: Wochenblatt Landshut 26.08.2009
Bilder: Wochenblatt Landshut 26.08.2009