Den Ausbruch von Seuchen befürchtet

Aus Haiti zurückgekehrter Helfer berichtete beim THW-Jahresempfang über das zerstörte Land

Die provisorischen Zeltlager, in denen in Haiti viele Überlebende des schweren Erdbebens notdürftig untergekommen sind, versinken aufgrund der begonnenen Regenzeit in Schlamm. Eindrucksvoll war das am Wochenende im Fernsehen zu sehen. Bernhard Herrndobler befürchtet aufgrund der Wetterunbillen sogar den Ausbruch von Seuchen. Das sagte der Landshuter THW-Helfer, der erst am gleichen Tag aus dem zerstörten Inselstaat zurückgekehrt war, am Freitagabend beim Jahresempfang des Ortsverbands des Technischen Hilfswerks.

Herrndobler (Jahrgang 1972), von Beruf Ingenieur für Bauwesen, war mehr als vier Wochen in Haiti im Einsatz und dort für das THW-Camp in Leogane verantwortlich, das auch von zahlreichen anderen Hilfsorganisationen als Basislager benutzt wurde. In dieser 30 Kilometer westlich von Port-au-Prince liegenden Provinzhauptstadt sind nach UN-Angaben 90 Prozent der Häuser dem Erdboden gleichgemacht. Die auf der Insel eingesetzten THW-Helfer kümmerten sich nach der Schilderung Herrndoblers vor allem um die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser. Rund 20 Millionen Liter Wasser habe man aufbereitet, sagte der Ingenieur, der Mitglied der sogenannten Schnell-Einsatz-Einheit-Wasser-Ausland (SEEWA) des THW ist. Herrndobler berichtete, dass immer mehr Menschen aus den Bergen, wo sie keinerlei Hilfe hätten, in die zerstörten Städte drängen. Sein Fazit über die derzeitige Lage in Haiti: “Dort fängt man nicht bei null, sondern unter null an.“

Aus dem Erdbebengebiet Chile kehrte ebenfalls am Wochenende Ortsverbandsmitglied Rudi Hattenkofer zurück. Er war im Bereich der Stadt Conception als Baufachberater zur Begutachtung von Häusern eingesetzt, die bei den Erdbeben beschädigt wurden.


52 000 Dienststunden

Dem THW-Ortsverband gehören insgesamt 254 Helferinnen und Helfer an, die sich in 143 aktive Helfer, 44 Junghelfer und 67 Alt- und Reservehelfer aufteilen. Sie brachten im vergangenen Jahr bei Hilfseinsätzen, Veranstaltungen, zum Beispiel Landshuter Hochzeit und Übungen auf insgesamt 52 000 Dienststunden, wie Ortsbeauftragter Rudolf Skalitzky bei seinem Jahresrückblick sagte. Damit habe jeder Helfer im Schnitt 205 Stunden Dienst geleistet – Eine respektable Zahl, die das außerordentliche Engagement im THW-Ortsverband widerspiegele. Dieses Engagement und den gleichzeitigen Gemeinschaftsgeist der ehrenamtlichen THW-Helfer lobte auch Stadtrat Ludwig Zellner (CSU). Er sprach als offizieller Vertreter vom Oberbürgermeister Hans Rampf in Anwesenheit der beiden Bürgermeister Dr. Thomas Keyßner (Grüne) und Gerd Steinberger (SPD) ein Grußwort. Sie gehörten zu den zahlreichen Gästen des Jahresempfangs, an dem auch Vertreter der Polizei und der Feuerwehr teilnahmen.

Zum Abschluss des Jahresempfangs weihte Diakon Andreas Maier die restaurierte Standarte des Ortsverbands und segnete drei Fahrzeuge die neu in Dienst gestellt wurden. Dabei handelte es sich um einen neuen MAN-Mehrzweckkraftwagen, mit dem laut Skalitzky seit rund zehn Jahren wieder einmal ein Großfahrzeug durch ein fabrikneues ersetzt wurde, und um einen von der Kernkraftwerks Isar GmbH gestifteten gebrauchten VW-Transporter Typ T4 und um einen Renault Master, der als Führungsfahrzeug eingesetzt wird. In Kürze soll der Ortsverband noch ein sogenanntes Wechselladerfahrzeug aus den Fuhrpark der Stadtwerke erhalten. Der Transfer erfolgt mit finanzieller Unterstützung der Sparkasse, wie Skalitzky erklärte.

Ehrenzeichen und Urkunden


Das Technische Hilfswerk zeichnete verdiente THW-Helfer aus

Im Rahmen des Jahresempfangs am Freitagabend ehrte Dr. Fritz-Helge Voß, der stellvertretende Landesbeauftragte der THW Bayern, verdiente und langjährige Mitglieder der Ortsverbands, dem er bescheinigte, er stehe glänzend da.

Zugehörigkeitsurkunden erhielten Wolfgang Beuschl (40 Jahre), Stefan Simnacher (30 Jahre), Christian Ring und Helmut Kurz (25 Jahre), Florian Martin Kräh (20 Jahre) sowie Michael Wiesheu, Florian Maier, Thomas Bergmaier, Fabian Kühn (10 Jahre) und Natalie Hohenester. Hohenester bekam zudem das Einsatzabzeichen Ausland. Die junge Helferin war im Erdbebengebiet Onna in Italien im Einsatz. Das Helferzeichen in Gold mit Kranz gab es für Robert Ohlschmid und Marc-Andre´Ciesiolka. Mit dem Helferzeichen in Gold wurden die Arbeit von Daniel Angerer, Florian Birkenseher, Thomas Huber und Valentin Bayerstorfer gewürdigt. Als Dank für die Unterstützung des Ortsverbands überreichte Voß dem Förderer Wolfgang Adelkirchner die THW-Plakette.


-fb-
Landshuter Zeitung 22.03.2010