Menschen schützen – auch in der Ferne

Jahresempfang des THW-Ortsverbands unter dem Eindruck der Katastrophe in Japan.

 

Unter dem Eindruck der Katastrophe in Japan ist am Freitagabend der Jahresempfang des Technischen Hilfswerks (THW) gestanden. „Sie zeigt uns, wie wichtig ein funktionierender Bevölkerungsschutz ist“, sagte Ortsbeauftragter Rudolf Skalitzky und stellte vor, was der Landshuter Ortsverband der Katastrophenschutzorganisation dafür im vergangen Jahr getan hat. Die Helfer waren nicht nur vor Ort im Einsatz, sondern halfen auch in Haiti beim Wiederaufbau nach dem Erdbeben.

Ein Einsatz in Japan war für das Landshuter THW bisher noch kein Thema. Das liegt vor allem daran, dass es in Bayern keine sogenannte „Schnelleeinsatz-Einheit für Bergung im Ausland“ gibt. Vielleicht müsse das bayerische THW aber noch helfen, sagte der neue Leiter der THW-Geschäftsstelle Mühldorf, Klaus Labitzke: „Wir wären dafür ausgebildet und hätten die Ausrüstung.“ Zum Landshuter Ortsverband sagte er: Die Stadt könne stolz sein auf dieses THW mit seiner großen Mannschaft und der hohen Einsatzbereitschaft. In Anlehnung an einen Zimmerer-Hammer, den er mitgebracht hatte, sagte er: „Der Ortsverband ist wie ein Hammer.“

52000 Stunden im Dienst

Das THW ist seit 1952 fester Bestandteil des städtischen Katastrophenschutzsystems. Heute hat der Ortsverband 260 Helfer, davon sind 140 Aktive und 55 Junghelfer. Sie leisteten im vergangenen Jahr 52000 Dienststunden – damit war jeder aktive Helfer durchschnittlich 251 Stunden im Einsatz oder besuchten eine Fortbildung. Beispielsweise eilte das THW zu einem Flugzeugabsturz nach Ellermühle, half beim Brand der Firma Koslow in Wörth, räumte Schnee vom Ikea-Dach in Regensburg und sicherte nach einem Hochwasser an der Kleinen Isar Stromleitungen mit Sandsäcken.

Außerdem sorgten die THW-Mitglieder bei gesellschaftlichen Ereignissen für einen reibungslosen Ablauf, beispielsweise beim Entenrennen, bei der BR-Radltour oder an der Fußwallfahrt nach Altötting. Sehr aktiv ist auch die Jugendgruppe mit ihren mehr als 60 Mitgliedern: Die THW-Jugend baute Spielgeräte für das Mütterzentrum, absolvierte Ausbildungen und machten Ausflüge. Angesichts dieses „außerordentlichen Engagements“ der Mitglieder ist Skalitzky nicht bange um die Zukunft des Landshuter THWs. Allerdings sei künftig mehr Engagement gefordert, um Helfer zu werben und zu halten, sagte der Ortsbeauftragte im Hinblick auf dem Wegfall der Wehrpflicht und damit dem Ausgleichsdienst bei Hilfsorganisationen. Auch wenn er nicht davon ausgehe, dass diese Helfer jetzt schlagartig die Organisation verließen, müssen man künftig neue Wege finden, um Helfer für den ehrenamtlichen Dienst zu begeistern.

„Engagierte Bürger fördern“

Skalitzky kritisierte, dass der Katastrophenschutz trotz aller Lippenbekenntnisse der Politik nicht im sogenannten Bundesfreiwilligendienstgesetz berücksichtigt worden sei. Geschäftsführer Labitzke sagte, er glaube nicht das die Politik habe abschätzen können, welche Folgen der Wehrpflicht-Wegfall für freiwillige Organisation wie das THW habe. „Bürger, die sich engagieren, müssen besonders gefördert werden“, forderte er. In Landshut sind derzeit 25 Prozent der Helfer im Rahmen des Ausgleichdiensts beim THW. Allerdings stamme ein Teil davon aus der eigenen Jugendarbeit und sei nicht nur wegen der Freistellung vom Wehrdienst zum THW gekommen, betonte Skalitzky.
Dass die Landshuter Helfer ihrem THW über Jahre treu bleibe, zeigten die Ehrungen. Urkunden für 30-jährige Mitgliedschaft bekamen Michael Saller und Paul Emmler jun. Seit 20 Jahren beim THW sind Veronika Payer, Christoph Payer, Hans Schmidbauer und Rudolf Hattenkofer. Für zehn THW-Jahre wurden Markus Obermaier, Markus Fischholz, Johannes Huber und Stephan Synkule geehrt. Für herausragende Leistungen bekam Michael Rott das Helferzeichen in Gold mit Kranz, Sandra Kühn und Martin Kowalski erhielten das Helferzeichen in Gold.
Nicht nur viele THWler waren zu dem Jahresempfang gekommen, sondern auch Vertreter von Behörden und der Politik sowie Hilfsorganisationen, mit denen das THW zusammenarbeitet. „In Landshut wissen wir, wie bedeutend und wichtig das THW ist“, sagte CSU-Stadtrat Ludwig Zellner. Das THW steht für Sicherheit und Vertrauen. Spätestens die Katastrophe in Japan habe gezeigt, wie wichtig solche Hilfsorganisationen seien. Auf die Frage, ob der Mensch alles dürfe, was er könne, sagte Zellner: „Ich glaube, Japan hat die Antwort gegeben.“


Landshuter Zeitung 21.03.2011