Katastrophenhelfer aus Leidenschaft
THW-Helfer Florian Zenk war sieben Wochen in einem Flüchtlingslager in Jordanien

Florian Zenk hat eine ereignisreiche Zeit hinter sich. Gut sieben Wochen war der Kumhausener mit dem Technischen Hilfswerk (THW) in Jordanien ehrenamtlich im Einsatz, um den Aufbau des Flüchtlingscamps Al-Saatari zu unterstützen. Gemeinsam mit anderen Katastrophenhelfern war Florian Zenk für die Sanitäranlagen im Camp zuständig. Im Gespräch mit der Landshuter Zeitung berichtet der THW-Helfer über seine Erlebnisse vor Ort und wie ihn diese auch nach seiner Rückkehr beeinflussen.

Eine riesige Stadt aus Zelten, mitten in der Steinwüste von Jordanien, zwölf Kilometer vom nächsten Ort entfernt - so beschreibt Florian Zenk das Camp Al-Saatari nahe der jordanischen Grenze. Auf einer Fläche von 25 Quadratkilometern haben hier schon Tausende Flüchtlinge aus Syrien eine notdürftige Unterkunft gefunden. "Anfangs kamen 400 bis 500 Flüchtlinge pro Nacht, am Ende waren es mehrere Tausend - mit allem auf dem Rücken, was sie tragen können. Und es werden immer mehr", sagt der Kumhausener.

Damit sich auf diesem engen Raum keine Krankheiten ausbreiten können, ist das THW für die Bereiche Wasser, Sanitär und Hygiene zuständig. Florian Zenk hat in zwei der jeweils zwei Quadratkilometer großen Blöcken der Zeltstadt insgesamt 96 Wascheinheiten betreut - ausgestattet mit arabischen Toiletten, Duschen, großen Waschbecken und Behinderten-WCs. "Gebaut wurden diese Häuser aus Betonstein und nach den Vorstellungen der Flüchtlingen", erklärt Zenk.

Jeden Tag ging es um halb acht Uhr für die Helfer los, die rund eine Autostunde vom Camp entfernt untergebracht waren. "Zuerst wurden die Baustellen abgefahren. Es wurde mit den Vorarbeitern gesprochen und alles weitere koordiniert, bevor die Räume an die UNICEF-Ingenieure übergeben wurden", beschreibt der THW-Helfer den Arbeitsalltag im Camp. Beinahe täglich standen "Wash-Meetings" und Treffen mit anderen Hilfsorganisationen auf dem Programm. "Eigentlich kann man sich das vorstellen wie eine große Firma", sagte Florian Zenk.

"Wie eine große Firma"

Neben großen Lagerhallen, Büros und angemieteten Lkws hatte das THW auch mehr als 70 angestellte Syrer und Jordanier, die sich als Fahrer, Elektriker oder Handwerker einbrachten. Viele von ihnen erhielten so eine Art Ausbildung, also zugleich "Hilfe zur Selbsthilfe", sagt der Kumhausener. Und trotz der unterschiedlichen Mentalität habe die Zusammenarbeit gut funktioniert. "Schließlich hatten die Flüchtlinge ja auch vorher einen Job."

Natürlich lief nicht alles so reibungslos ab, sagt Florian Zenk und schmunzelt. Obwohl das Lager im Großen und Ganzen gut organisiert und schon viel passiert war - unter anderem gab es zwei Schulen und einige Kindergärten - häuften sich vor allem nach 17 Uhr die Diebstähle. Während die Helfer aus Sicherheitsgründen vor Sonnenuntergang in ihr Quartier in einen Vorort der Hauptstadt Amman gebracht wurden, kam es nicht selten vor, dass Baumaterial wie Betonsteine verschwand oder dass am nächsten Morgen gar Waschbecken und Kloschüsseln in den fertigen Räumen fehlten.

"Das ist natürlich schon manchmal frustrierend", sagt Florian Zenk. Es sei aber auch verständlich, wenn man die Situation der Flüchtlinge bedenkt. "Viele von ihnen haben ihr Haus verloren oder mussten alles zurücklassen. Die meisten von ihnen waren vor dem Bürgerkrieg nicht arm. Jetzt haben sie aber nichts mehr." Er kann gut nachvollziehen, dass sich die Syrer zum Teil am Baumaterial bedienen, um ihre Zelte zu befestigen und etwas wohnlicher zu gestalten. Deshalb sei als Helfer die wichtigste Eigenschaft die Improvisation. "Man muss das deutsche Denken komplett ablegen. Und man muss die Menschen kennenlernen, als Alleinkämpfer hat man keine Chance."

Geschäftstüchtige Syrer

Überhaupt sei mittlerweile zu beobachten, dass sich viele der Syrer längerfristig im Camp einrichten. "Ich war zwar nie in einem der Zelte, aber inzwischen sind erste Satellitenschüsseln auf den Dächern zu sehen", sagt Florian Zenk. Einige hätten außerdem die Zelte gegen selbst gebaute Holzbaracken mit Wellblech getauscht. Geschäftstüchtige haben sich sogar ihre eigenen kleinen Gewerbe aufgebaut - wie die Marktstände an der Hauptstraße im Lager. Oder ein 13-jähriger Junge verdient sein Geld damit, an den Straßenlaternen die Stromversorgung anzuzapfen und einen Anschluss in die Zelte zu legen.

"Viele sagen zwar, dass sie wieder nach Hause möchten, aber ich denke, dass Al-Saatari eine eigene große Stadt bleiben wird", meint der Landshuter THW-Helfer. Nach fast zweijährigem Dauerkonflikt würden viele Flüchtlinge ihre Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre alte Heimat aufgeben.

"Nach so einem Einsatz", sagt Florian Zenk, "wird einem erst bewusst, wie gut es uns geht." Viele Dinge von seiner Zeit in Jordanien, natürlich auch unerfreuliche, und das Leid der Flüchtlinge, werden ihm in Erinnerung bleiben. Der Austausch mit Kollegen und Freunden helfe ihm, das Erlebte zu verarbeiten. Trotzdem überwiegt für ihn, dass er den Menschen vor Ort mit seinem ehrenamtlichen Einsatz helfen konnte. Deshalb ist für ihn klar, dass er sich jederzeit wieder an einem Einsatz beteiligen würde.

Text: Christina Sarcher (LZ), idowa.de
Bilder: THW, Florian Zenk