„Wir haben gut vorgebaut“

Der scheidende THW-Ortsbeauftragte Rudolf Skalitzky blickt auf zwei Jahrzehnte im Amt zurück.

Rudolf Skalitzky ist seit 43 Jahren im Technischen Hilfswerk (THW) aktiv. 1970 verpflichtete er sich für zehn Jahre, um von der Bundeswehr freigestellt zu werden. Zur Bundeswehr musste er zwar trotzdem - sein Vater unterschrieb die Freistellung mit den Worten "Bundeswehr schadet Dir nicht" nicht -, dem THW aber blieb er treu. Er war lange Jahre Zugführer und leitete in den vergangenen 20 Jahren den Ortsverband. Nun gibt er sein Amt als Ortsbeauftragter ab.

 

Ein Gespräch.

 


Mit dem 60-jährigen Bestehen des Ortsverbands und dem Bundesjugendlager zählte das Landshuter THW im Vorjahr zwei Höhepunkte. Nun geben Sie nach 20 Jahren Ihr Amt ab - hören Sie auf nach dem Motto "Man soll gehen, wenn es am schönsten ist"?

Rudolf Skalitzky: Das könnte man fast meinen. Aber eigentlich ist die Entscheidung, dass ich aufhöre, viel früher gefallen als die Entscheidung, dass wir das Bundesjugendlager übernehmen. Ich hab direkt nach der letzten Wahl gesagt - diese fünf Jahre noch, dann übergebe ich.

Und es hat sich auch gleich ein Nachfolger gefunden?

Ja, wir haben gut vorgebaut. Michael Saller hat lange Erfahrung als Stellvertreter und mich immer vertreten, wenn ich als Landessprecher unterwegs war. Insofern ist es ein fließender Übergang.

Wenn Sie zurückblicken: Was sind Ihre bleibendsten Eindrücke?

Die bleibendsten Eindrücke sind die vielen kleinen Momente, wenn man jemandem helfen konnte oder wenn man wieder etwas erreicht hat. So zum Beispiel bei der Beschaffung unserer Fahrzeuge, die wir ja immer wieder aus verschiedenen Quellen ziehen, das letzte von den Stadtwerken. Wenn dann das Nummernschild drauf ist, ist das immer so ein Aha-Effekt: Wir haben es wieder einmal geschafft, alle Hürden der Bürokratie wurden überwunden. Ein wichtiges Ereignis war zweifellos auch der Umzug der Unterkunft von der Schützenstraße an die Äußere Regensburger Straße im Jahr 1996.

Sie übergeben einen Ortsverband, der gut dasteht. Die Mitgliederzahlen sind stabil, die Jugendgruppe ist die größte in Bayern. Wie erklären Sie sich diese Erfolgsgeschichte?

Es braucht zum einen viele Personen, die engagiert mitwirken, und zum anderen muss man ihr Engagement fördern und erhalten. Ich habe es mit meinen Führungskräften immer so gehalten, dass ich nur die grobe Linie vorgegeben habe und dann waren sie selbst verantwortlich. Verantwortung zu übertragen ist ein entscheidender Punkt, um das ehrenamtliche Engagement aufrecht zu halten.

Aber erst einmal müssen die Ehrenamtlichen bereit sein, sich zu engagieren.

Da sind wir wieder beim Thema Jugendarbeit. Denn die Zusammensetzung der Helfer hat sich in den vergangenen 20 Jahren entscheidend geändert. Als ich vor 40 Jahren dazugekommen bin, bestand der Ortsverband fast nur aus Personen, die sich auf zehn Jahre verpflichtet hatten, um vom Wehrdienst freigestellt zu werden. Diese Zeiten haben sich spätestens 1990, als das THW eine selbstständige Bundesanstalt wurde, geändert. Und der letzte Schritt war vor zwei Jahren der Wegfall der Wehrpflicht. Insofern sind wir heute nur noch auf Kameradschaft aufgebaut.Der Wegfall der Wehrpflicht hat dem Landshuter THW aber nicht groß geschadet.

Nein, das kann man ganz klar sagen. Der Wegfall hat uns zwar im ersten Moment etwas geschockt, aber es waren dann gar nicht so viele, die einfach weggeblieben sind. Das Problem ist aber, dass wir davon gelebt haben, dass die Leute aufgrund der Freistellung vom Wehrdienst zu uns gekommen sind, über ein paar Jahre da geblieben und dann bei uns hängengeblieben sind - wegen der Kameradschaft und dem Dienst.

Können die sogenannten Bufdis dabei einen Ausgleich bringen?

Nein, das Bundesfreiwilligendienstgesetz hat uns überhaupt nichts gebracht. Da sind wir noch am Arbeiten, dass wir für uns eine Lösung in das Gesetz bringen. Inzwischen hat die Politik auch gemerkt, dass nicht alles optimal ist.

Wie könnte die Lösung aussehen?

Relativ einfach: In das Bundesfreiwilligendienstgesetz gehört zusätzlich zum Freiwilligen Jahr ein Teilzeitmodell rein. Bis jetzt ist es nur ein Vollzeitmodell. Das ist auch ein Punkt, an dem ich als Landessprecher noch immer dran bin.

Wie sehen Sie die Zukunft des Landshuter THWs?

Die sehe ich rosig. Es ist gut aufgestellt. Wir haben die internen Änderungen im Zusammenhang mit dem THW-Gesetz in den 90er-Jahren sauber umgesetzt. Wir waren einer der wenigen Ortsverbände, die danach noch als zweizügiger Ortsverband existierten. Und wir haben uns damals auch die drei Fachgruppen gerettet, die Beleuchtungsgruppe, die Räumgruppe und die Wassergefahrengruppe. Darüber hinaus haben wir es über die Jahre hinweg aufgrund des Engagements einzelner Personen auch noch geschafft, dass wir die Tauchgruppe wieder etabliert haben. Und das Letzte war die Sprenggruppe.

Und wo sehen Sie die Herausforderungen für das THW?

Das wird vor allem sein, dass man den Personalstamm, den man vor Ort braucht, weiter halten und motivieren kann. Da steht uns noch einiges bevor. So kann man zum Beispiel den Dienst allgemein attraktiver machen. Wir haben bisher unseren Helfern viel zugemutet. Das geht los bei Wartung und Instandhaltung, Prüfung des Materials. Dann kommt dazu die ganze Bürokratie, zum Beispiel die jährlichen Unterweisungen. Eine weitere Herausforderung wird sein, die Einsatzmotivation zu erhöhen. Wir sind zwar von der Einsatzeinbindung relativ gut dran. Aber beispielsweise werden durch die Einführung der Integrierten Leitstellen die Einsatzkräfte noch optimierter alarmiert, es gehen immer weniger Einsatzkräfte raus. Positiv ist, dass wir es im letzten Jahr geschafft haben, bei der Wasserrettung in die Alarmierungswelle reinzukommen.

Was wünschen Sie denn dem THW für die Zukunft?

Vor allem, dass es so stabil und engagiert weiterarbeitet wie bisher. Dass es natürlich auch das Glück der Tüchtigen hat, das wir in den vergangenen Jahren hatten; dass wir zum Beispiel keine größeren Unfälle und keine größeren Verletzungen hatten.

Und Sie selbst: Wird man Sie künftig noch beim Landshuter THW sehen?

Ja natürlich. Zum einen sind wir ja praktisch wie ein Verein, die Kameradschaft verbindet uns. Und ich bin weiterhin in der zweiten oder dritten Reihe als Fachberater tätig. Wenn Not am Mann ist, bin ich da.

Werden Sie künftig mehr Freizeit haben, oder wird sich die Arbeit nur verlagern?

Es wird sich schon ein wenig verlagern. Natürlich fällt das kleine Tagesgeschäft weg. Dafür werde ich mehr größere Termine haben. Die nächsten sind zum Beispiel der Barbaraempfang des Landesverbands in Schloss Nymphenburg und der Arbeitskreis Einsatz in Kiel.

Idowa.de vom 11.03.13: Autor: Sigrid Zeindl

Bild: Stefan Huber

 

Der Link zum Bericht inkl. eines Videos mit dem neuen Ortsbeauftragten Michael Saller:

http://www.idowa.de/lokales/landshuter-zeitung/artikel/2013/03/11/wir-haben-gut-vorgebaut.html